Architektonische Bijoux zwischen Kraftwerk und Steckdose

Transformatorenstation aus der Gründungszeit der SAK, mit Giebeldach und seitlichen Freileitungsabgängen.
In einer Bushaltestelle «versteckte» Transformatorenstation.
Montage eines Transformators auf einer Freileitungsstation mit Hilfe des Unimog, 1998.
Beispiel einer ortsangepassten Trafostation im SAK Versorgungsgebiet.
Ein weiteres und originelles Beispiel einer ortsangepassten Trafostation der SAK.

 

«Zwischen Kraftwerk und Steckdose» heisst der Titel eines Buchs von Michael Neumann, das sich mit der Architektur von Transformatorenstationen befasst. Damit ist auch die Aufgabe angesprochen, welche Transformatorenstationen erfüllen müssen: Sie sind notwendig, weil der mit dem Mittelspannungsnetz angelieferte Strom für die Verteilung an die Kunden in Niederspannung (230/400 Volt) umgewandelt werden muss. In den Unterwerken wiederum, eine Stufe näher beim Kraftwerk, wird die im überregionalen Netz verwendete Hochspannung (50/110 Kilovolt) in Mittelspannung (16/20 Kilovolt) transformiert.

Das Netz der Trafostationen ist mit dem gestiegenen Stromverbrauch kontinuierlich gewachsen, und bereits bestehende Stationen müssen bei grösserem Bedarf ausgebaut werden. Errichtung, Ersatz und Umbau von Trafostationen gehören zum jährlichen Investitionsbedarf eines Elektrizitätsunternehmens. Im Geschäftsjahr 1989/90 waren im Versorgungsgebiet der SAK nicht weniger als 82 Stationen neu zu erstellen oder umzubauen. Dabei handelte es sich um 33 Freileitungsstationen auf Betonmasten-Elementen, 24 Kabelstationen in vorfabrizierten Gebäuden und 25 Kabelstationen in Gebäuden, die an Ort erstellt wurden. Teilweise wurden bisherige Stationen ersetzt oder um- und ausgebaut. Bei den Transformatoren- und Messstationen wird mit einer Nutzungsdauer von 25 bis 35 Jahren gerechnet, und entsprechend werden die Anlagen über diesen Zeitraum abgeschrieben. 2014 umfasste das Netz der SAK 1'211 Trafostationen. 1989 waren es erst 752 gewesen. Daneben gibt es Stationen, welche den EVU oder Gross- und Industriekunden gehören.

 

Verschandelung der Landschaft?

Wie viele (sichtbare) Neuerungen stiessen auch die Trafostationen schon früh auf Widerstand. Heimatschutzkreise wehrten sich gegen die Trafohäuschen, die ihrer Ansicht nach die Landschaft verschandelten. Um der Kritik zu begegnen, veranstalteten die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) bereits 1909 einen Architekturwettbewerb für Transformatorentürmchen. Ziel war es, wie es in der Ausschreibung in der Schweizerischen Bauzeitung hiess, «einerseits für die architektonisch gute Gestaltung, anderseits aber auch für eine nach Preis und Bauart günstige bauliche Ausführung von kleineren Transformatorenstationen gute Lösungen zu gewinnen». Der Wettbewerb brachte 124 Vorschläge, die von einer hochkarätig zusammengesetzten Jury beurteilt wurden. «Die EKZ spielten die Hauptrolle bei der Weiterentwicklung der urtümlichen Trafozylinder, aber auch bei der Normierung und ‹Massenproduktion›», schreibt Yvonne Scheiwiller in ihrer 2013 erschienenen Publikation «Trafoturm – Turmtrafo», die sich dem Thema überwiegend aus architektonischer Sicht widmet. Mit dem vor dem Ersten Weltkrieg aufkommenden Heimatstil, so Scheiwiller, «sollte die fremde Technik mit einer ‹wohligen› Haut überzogen werden, welche ‹anheimelt› und mithilft, die moderne Technik zu akzeptieren».

Durch die technische und wirtschaftliche Entwicklung wurden die Trafostationen teilweise überflüssig. Viele ausser Betrieb gesetzte Stationen hat man in jüngster Zeit umgenutzt, zum Beispiel durch die Montage von Brut- und Nistkästen. In einem Werk von Illo-Frank Primus über «Geschichte und Gesichter der Trafostationen» in Deutschland sind Fälle aufgelistet, in denen Trafostationen in Kappellen, Glockentürme, Solarkraftwerke, E-Bike-Ladestationen, Gefallenendenkmäler,  Märchentürme, Cafés, Galerien, Kunstwerke oder Hotels verwandelt wurden. Für die Schweiz vermittelt die Website Swisstrafos Informationen über Geschichte, Standorte und Bautypen. Dass die Gebäude nicht einfach abgerissen wurden, verdanken sie neben der Nostalgie wohl zu einem guten Teil auch der Tatsache, dass der Architektur bei ihrem Bau ein besonderes Augenmerk geschenkt wurde. 08:15-Bauten hätten es schwerer gehabt.

Zahlen & Fakten

Direktor Mario Schnetzler
Direktion  Adolf Loser, Herbert Meier, Theo Wipf
Verwaltungsrats Präsident Dr. h.c. Ernst Rüesch
Verwaltungsrat Dr. Rudolf Reutlinger, Hansjakob Niederer, Klaus Gebert, Prof. Dr. Willi Geiger, Titus Giger, Beat Graf, Hans Höhener, Edwin Koller, Karl Offenhauser, Dieter Schmidheini, Alfred Stricker, Franz Würth

Anzahl Mitarbeitende
248

Fläche Versorgungsgebiet
2’325 km2

Einwohner
380’000

Energie
2’181 Mio. kWh

Produktion
7 Kraftwerke

Netz
38 Unterwerke
816 Trafostationen
ca. 3’500 km Stromnetz