Die Strukturkrise als neue Erfahrung

Mit dem regelmässigen Anstieg des Energieumsatzes war es ab den 1990er Jahren definitiv vorbei.
Der Hauptsitz der SAK an der Kreuzung Vadian-/Pestalozzistrasse. Auf dem Bild befindet sich der später an die Vadianstrasse verlegte Eingang noch an der Pestalozzistrasse.
Blick auf den Häuserblock mit dem Hauptsitz von der Sankt-Leonhard-Strasse.

 

Die Schweiz hatte zwar 1974 die Ölkrise erlebt, welche die Hochkonjunktur für kurze Zeit unterbrach. Aber das Zwischentief war relativ schnell überwunden, und Arbeitslosigkeit vermied man, indem man die Fremdarbeiterinnen und Fremdarbeiter nach Hause schickte. Tiefgreifende strukturelle Veränderungen hatte die Krise nicht zur Folge.

Das war beim Einbruch in den 1990er Jahren anders. Die 1991 einsetzende Krise, die unter anderem durch den Zusammenbruch des völlig überhitzten Immobilienmarktes ausgelöst wurde, hatte einen neuen Charakter. Sie deckte schonungslos auf, was bisher, zum Beispiel mit Firmenkäufen, noch hatte übertüncht werden können: Die Strukturschwächen der Schweizer Industrie. Der Zusammenbruch der kommunistischen Systeme im Osten, die Öffnung von China, die Liberalisierung der Märkte und die damit verbundene Globalisierung bewirkten, dass die Konkurrenz definitiv weltweit wurde und gleichzeitig die Gefahr der Verlagerung von Produktionsstätten massiv zunahm. Statt Diversifikation lautete bei den Firmen das Schlagwort nun Konzentration aufs Kerngeschäft.

 

«Spürbare Auswirkungen»

«Die herrschende Rezession hat auch spürbare Auswirkungen auf die SAK», stellte Alfred Bürkler im Editorial der SAK Hus Zitig 1/93 fest. «Sie sind aber im Vergleich zu vielen Betrieben der Privatwirtschaft für unser Personal geringer und eine Gefährdung von Arbeitsplätzen besteht momentan nicht.» Dass es die SAK merkte, wenn die Industrie weniger Strom verbrauchte, lag auf der Hand. In der SAK Hus Zitig 3/93 wies Adolf Loser auf das Neuartige der gegenwärtigen Situation hin: «Die wirtschaftliche Rezession und der damit verbundene Verkaufsrückgang, gekoppelt mit einem hohen Investitionsbedarf, haben in der bald 80-jährigen Geschichte der SAK wohl eine einmalige Ausgangslage geschaffen. Vieles, was in der Vergangenheit noch als verkraftbar eingestuft wurde, bedarf im gegenwärtigen Umfeld einer neuen Beurteilung. Wir stehen allerdings mit dieser Herausforderung nicht alleine da.»

Im Editorial der SAK Hus Zitig 3/95 vermerkte Loser zwar Anzeichen eines konjunkturellen Aufschwungs, aber man stecke «immer noch in weiträumigen wirtschaftlichen und strukturellen Problemen». Die Krise in vielen Staatshaushalten sei ebenfalls noch nicht überwunden. «Fortsetzung des Strukturwandels», hielt Direktor Theo Wipf Ende 1996 fest. «Vorbei sind die Zeiten, in denen ein kontinuierliches Wachstum des Stromkonsums die Ergebnisse unseres Energiegeschäftes gleichsam automatisch verbesserte.» In der SAK Hus Zitig 1/97 konstatierte Loser: «Leider sind die Aussichten für eine wirtschaftliche Erholung noch immer nicht besser geworden.» Ein gutes Jahr später war dann auch in der SAK Hus Zitig endlich vom wirtschaftlichen Aufschwung die Rede.

Zweimal in den 1990er Jahren – 1993 und minim 1997 – war bei der SAK der Energieumsatz in Kilowattstunden rückläufig. Zur veränderten finanziellen Situation trug auch bei, dass nach der letzten Erhöhung des NOK/Kantonswerketarifs 1995 eine Trendwende eintrat und die Energieverkäufer parallel zu den Vorbereitungen auf die Marktöffnung Preisreduktionen gewährten. Die Entwicklung war jedoch nicht dramatisch. Die Investitionen wurden zwar reduziert, aber man fing sich auf und bildete wieder Reserven. 2000 stand die SAK finanziell gesund da, die Schulden waren abgebaut. Doch wie von Theo Wipf erwähnt, war es mit der kontinuierlichen, ruhigen Aufwärtsentwicklung der Hochkonjunktur definitiv vorbei: Energiesparmassnahmen, Preisreduktionen und Konjunktureinbrüche wie die Finanzkrise sorgen seither in Umsatz und Gewinn für beträchtliche Schwankungen.

 

Ein Haus «in die Hand gespielt»

Die Krise hatte auch einen  für die SAK nicht unwichtigen Nebeneffekt: Die SAK wollte nämlich beim Werkhof in Winkeln ein neues Verwaltungsgebäude bauen. «Sozusagen im letzten Augenblick vor der Baubeschlussfassung», schrieb Direktor Mario Schnetzler in der SAK Hus Zitig 4/92, «wurde uns eine Nachbarliegenschaft, die an unser Haus an der Pestalozzistrasse angrenzt, zum Kauf angeboten. Vor langer Zeit schon haben wir uns um eine solche bemüht. Die Rezession hat sie uns nun in die Hand gespielt, und wir werden sie nach einer Fundationssanierung sukzessive nach unseren Raumbedürfnissen für unsere Zwecke restaurieren und nutzen.» Dass die Mitarbeitenden am Hauptsitz heute in der Nähe des Hauptbahnhofs und nicht in Winkeln arbeiten, haben sie also der Krise der 1990er Jahre zu verdanken.

Zahlen & Fakten

Direktor Mario Schnetzler (bis Mai 1993)
Theo Wipf (ab Juni 1993)
Direktion Alfred Bürkler, Adolf Loser
Verwaltungsrats Präsident Hans Ulrich Stöckling
Verwaltungsrat Hans Niederer, Prof. Dr. Willi Geiger (bis Februar 1993), Titus Giger, Beat Graf, Hans-Peter Härtsch (ab Februar 1993), Hans Höhener, Beat Jud, Dr. Walter Kägi (ab Februar 1993), Alex Oberholzer, Hans Rohrer, Dieter Schmidheini (bis Februar 1993), Alfred Stricker, Franz Würth

Anzahl Mitarbeitende
247

Fläche Versorgungsgebiet
2’325 km2

Einwohner
400’000

Energie
2’339 Mio. kWh

Produktion
7 Kraftwerke

Netz
38 Unterwerke
855 Trafostationen
ca. 3’800 km Stromnetz