Fliegen statt Klettern: Leitungskontrolle per Helikopter

Mit dem Helikopter geht’s leichter.
Die Schnauze des Helikopters mit der Kamera.
Die Auswertung erfolgt mit speziellen Geräten und Programmen.

 

Schon seit den 1990er Jahren kontrolliert die SAK ihre Freileitungen mit dem Helikopter. Damals wurden vom Bund Auflagen für den Unterhalt der Starkstromleitungen erlassen. Gemäss der eidgenössischen Starkstromverordnung müssen Leitungen zweimal im Jahr zu Fuss abgelaufen und auf Schäden untersucht werden. Alle acht Jahre ist eine Grosskontrolle vorgeschrieben. «Früher kletterten die Mechaniker die Masten hoch, untersuchten die Leitungen, kletterten wieder hinab – und, falls nötig, mit Ersatzteilen wieder hoch», beschrieb das St.Galler Tagblatt einmal das frühere Verfahren. Ausserdem musste bei jeder Begehung der Strom ausgeschaltet werden. Die SAK nahm deshalb den Helikopter zu Hilfe. «In den ersten zwei Jahren wurden, aussen auf den Kufen des Helikopters stehend, Fotos der Schäden gemacht. Nachträglich gesehen war das doch ein recht abenteuerliches Unterfangen», schrieb Paul Spengler, Bauleiter Grossleitungsbau bei der SAK, in der SAK Hus Zitig 3/01.

 

90% Arbeiten für Dritte

Als nächstes wurde vorne am Helikopter eine per Joystick bedienbare Videokamera befestigt. «Insbesondere Risse bei den Betonausgüssen von Auslegern, Blitzschläge in Isolatoren und ungenügende Erdseilverbindungen sind», so Spengler, «aus der Vogelperspektive sehr gut zu dokumentieren.» Anschliessend wurden die Aufnahmen am Computer verarbeitet und zu einer Dokumentation zusammengefasst. Wurden Defekte entdeckt, so mussten die Monteure nach wie vor auf die Masten klettern.

Schon bald kontrollierte die SAK nicht mehr nur ihre eigenen Leitungen. Bereits 2001 belief sich der Anteil der Fremdaufträge aus der ganzen Schweiz auf rund 90%. Ein solcher Fremdauftrag war zum Beispiel die Kontrolle von SBB-Freileitungsmasten an der Bahnlinie Hendschiken-Muttenz, über welche die Aargauer Zeitung im April 2002 berichtete. «Für uns bedeuten sechs bis sieben Flugstunden einen Arbeitstag von zwölf Stunden», erklärte Paul Spengler bei der Gelegenheit, und das Filmen erfordere höchste Konzentration. Die Flexibilität der Spezialkamera und die erstklassige Bildqualität würden die Aufdeckung auch kleinster Schäden ermöglichen: «Eine aus einer Entfernung von 50 bis 80 Metern von einem Mast aufgenommene Schraube kann nach der Filmauswertung in PC-Bildschirmgrösse dargestellt werden.» Das neue Verfahren bringe eine Kostensenkung dank gezielter Instandhaltung, rechtzeitiger Materialbeschaffung und optimalem Einsatz der Ressourcen. Mittlerweile wurde das «Leitungskontrollsystem SAK» von allen grösseren Elektrizitätswerken als Dienstleistung in Anspruch genommen.

 

Elektrischen Fehlern auf der Spur

Die gute Auslastung ermöglichte den Ausbau und die Weiterentwicklung der teuren Infrastruktur. Ziel war ein Aufnahmegerät, das auch elektrische Fehler in den Leitungen entdecken konnte. Mit einer Spezialkamera sollten sogenannte Koronaentladungen, welche im nicht sichtbaren Bereich des Lichtspektrums auftreten, sichtbar gemacht werden. Für die Entwicklung und Produktion solcher Koronakameras gab es weltweit nur gerade zwei Anbieter, einen in Israel und einen in Südafrika. Mit Letzterem, einem optischen Institut an der technischen Hochschule von Pretoria, ergab sich beim Projekt mit dem nicht ganz einfachen Namen «Helikoptergestütztes Kreiselgelagertes Korona Detektions System» eine enge Kooperation. Im November 2003 wurde die Kamera geliefert. «Diese auf unsere Bedürfnisse umgebaute Korona-Kamera wurde in Zusammenarbeit mit der Helifirma Fuchs Schindellegi in eine von dieser zur Verfügung gestellte Stabilisierungskugel eingebaut», führte Daniel Hotz in der SAK Hus Zitig 1/2005 weiter aus. «Es sind nun dieselben erschütterungsfreien Luftaufnahmen möglich, wie wir sie von der bewährten Videoleitungskontrolle her kennen.»

2004 kontrollierte die SAK mit der neuen Kamera im Auftrag der Netz AG der Atel deren 380/200-kV Verbundleitung nach Italien. Hotz war begeistert: «Die Resultate waren schlichtweg umwerfend und übertrafen unsere grössten Erwartungen. Es wurden Leiterseilschäden (mehrere offene Litzen von einigen Metern Länge) detektiert, welche trotz genauer Ortsangaben mit dem Feldstecher vom Boden aus in diesem hochalpinen Gelände nicht erkannt werden konnten. Defekte und korrodierte Armaturen, Brandspuren in Abspannklemmen und viele andere Stellen konnten mit diesem System erkannt und lokalisiert werden.» Nicht immer übrigens, wenn man den betreffenden Fuchs-Helikopter sieht, ist er für die SAK unterwegs. Bei der Tour de Suisse zum Beispiel fliegt er fürs Schweizer Fernsehen.

Zahlen & Fakten

Vorsitzender d. Geschäftsleitung Rolf Domenig
Geschäftsleitung Lukas Mäder, Heinz Reichen, Ueli Risch, Robert Zingg
Verwaltungsrats Präsident Hans Ulrich Stöckling
Verwaltungsrat Jakob Brunnschweiler, Hermann Fässler, Köbi Frei (ab Februar 2004), Willi Haag, Ernst Hanselmann, Hans-Peter Härtsch, Beat Jud, Marianne Kleiner (bis Februar 2004), Hans Sutter

Anzahl Mitarbeitende
242

Fläche Versorgungsgebiet
2’325 km2

Einwohner
400’000

Energie
2’700 Mio. kWh

Produktion
7 Kraftwerke

Netz
37 Unterwerke
930 Trafostationen
ca. 4’100 km Stromnetz