Liberalisierung: Eine endlose Story?

Die Netze mussten mit der Marktöffnung vom Bereich Energie getrennt und für die Durchleitung von Fremdstrom zugänglich gemacht werden.
Mit der Liberalisierung wurde die zuvor sehr einfache Branchenstruktur komplexer.
Die Barriere zur Marktöffnung ging für die Grosskunden bereits vor einigen Jahren hoch.
Die Marktöffnung für die Kleinkunden ist jetzt, nach dem neusten Stand der Dinge, für 2018 vorgesehen.

 

«Im Hinblick auf die Strommarktöffnung»: Diese Formulierung war seit Mitte der 1990er Jahre in unzähligen Papieren und Artikeln zu lesen. Doch mit der Ablehnung des Elektrizitätsmarktgesetzes, das die vollständige Liberalisierung innert sechs Jahren vorsah, erlitten die Befürworter der Marktöffnung 2002 vorerst einen Rückschlag. Im zweiten Anlauf klappte es dann: 2008 trat das Stromversorgungsgesetz (StromVG), ohne Volksabstimmung, in Kraft. Das StromVG brachte das so genannte Unbundling, das heisst die Trennung von Energie und Netzen, und die Aufhebung der Bezugs- und Lieferpflicht. Die Netzentgelte dürfen fremde Lieferanten nicht diskriminieren. Auf den 1. Januar 2009 wurde der Strommarkt für Grosskunden mit einem Jahresverbrauch von über 100'000 kWh und für alle Stromverteilunternehmen geöffnet.

 

Kampf um Grosskunden

Um die Grosskunden ist seither ein Kampf im Gange, der 2013 durch die europaweit anhaltend sinkenden Strompreise noch verschärft wurde. Grosskunden wandten sich von den festen Tarifstrukturen ab und nutzten den freien Marktzugang. Nicht alle wechselten den Anbieter. Doch die Tatsache, dass der Strommarkt angefangen hatte zu spielen, konnte festgestellt werden. Bei der SAK führte man im Geschäftsbericht 2012/13 zum gleichen Thema aus: «Die Preisentwicklung führte zu einem markanteren Wettbewerb, der sich vor allem bei den Grosskunden verstärkt bemerkbar machte. Die persönliche Kundenbetreuung ermöglichte eine individuelle Beratung; die Schaffung neuer marktfähiger Produkte eine professionelle und bedürfnisgerechte Lösung für Grosskunden und Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU).»

Das Versorgungsgebiet der SAK hatte schon zu Monopolzeiten nicht den ganzen Kanton St.Gallen umfasst. 1929 gründeten die Stadt St.Gallen und die Gemeinde Schwanden die Kraftwerke Sernf-Niederenbach (heute SN Energie). 1939 schloss sich die Stadt Rorschach dem neuen Unternehmen an, und noch vor der Strommarktöffnung setzte das Elektrizitätswerk Jona-Rapperswil (EWJR) durch, dass die SAK für den Strom, den das EWJR neu von der SN Energie bezog, das Durchleitungsrecht – gegen Entgelt – gewähren musste. Das EWJR war 1999 Aktionär der SN Energie geworden. Mit der Gründung der Energieplattform AG (EP AG, siehe Eintrag 2014) hat sich die SAK aber ein gutes Instrument in die Hand gegeben, um die lokalen EVU als Kunden zu halten und für eine aktive Partizipation als Partner oder Aktionär der EP AG zu gewinnen.

 

Kleinkunden: 2018 statt 2008?

Für die Kleinkunden und Privathaushalte (Jahresverbrauch unter 100'000 kWh) sah man nach dem Inkrafttreten des StromVG die Marktöffnung für 2014 vor, fünf Jahre nach den Grosskunden. Das liess sich nicht realisieren. Als nächstes Datum wurde 2018 in Aussicht gestellt, weil man der Stromwirtschaft Zeit für die Umstellungen geben wollte. Für Grosskunden sollte die bisher freiwillige Teilnahme am geöffneten Strommarkt obligatorisch werden. Die Netzentgelte sollten nicht dem Markt unterliegen, sondern – dies im Unterschied zum Preis der bezogenen Energie – nach einheitlichen Kalkulationsvorgaben festgesetzt sein. «Jeder Monat ohne vollständige Strommarktöffnung geht zulasten der Kleinkunden», ärgerte sich die Neue Zürcher Zeitung über das aus ihrer Sicht zu langsame Tempo. Eine Alternative zu einer vollständigen Strommarktöffnung gebe es nicht. Aber selbst der Zeitpunkt 2018 war, unter anderem wegen der Möglichkeit eines Referendums gegen den noch zu fällenden Parlamentsentscheid, mit Unsicherheiten verknüpft. Nebst der Linken äusserten sich auch die kleineren EVU ablehnend zur vollständigen Liberalisierung.
 
Die vollständige Strommarktöffnung werde eine grosse Herausforderung sein, erklärte SAK CEO Stefano Garbin in einem Interview mit dem St.Galler Tagblatt. Die SAK müsse den Kunden nachhaltige, effiziente und wettbewerbsfähige Lösungen anbieten, aber auch ein attraktiver Arbeitgeber sein, um mit qualifizierten, leistungsorientierten und eigenverantwortlich handelnden Mitarbeitenden die gewählte Unternehmensstrategie umsetzen zu können.

Zahlen & Fakten

Vorsitzender d. Geschäftsleitung Stefano Garbin
Geschäftsleitung Lukas Mäder, Jürg Brumann, Jürg Solenthaler, Adriano Tramèr
Verwaltungsrats Präsident Dr. Josef Keller (bis Februar 2013),
Benedikt Würth (seit Februar 2013)
Verwaltungsrat Jakob Brunnschweiler, Andreas Frank, Köbi Frei, Dr. Daniel Gut, Willi Haag, Beat Jud, Roland Rebsamen, Stefan Sutter

Anzahl Mitarbeitende
313

Fläche Versorgungsgebiet
2’375 km2

Einwohner
440’000

Energie
2’924 Mio. kWh Jahresabsatz

Produktion
74.4 Mio. kWh Strom
19.4 Mio. kWh Wärmeenergie

Netz
37 Unterwerke
über 1’200 Trafostationen
4’510 km Stromnetz

SAKnet
17’000 Anschlüsse
1'500 km Glasfasernetz