Neue Brutinsel im Gübsensee – betreut vom SAK Weiherwart

Einst war der Sitterviadukt die höchste Brücke der Schweiz.
Gübsensee, Sitterviadukt und Kraftwerk: Flugaufnahme von 1975.
Brutinsel der SAK mit Wasservögeln.
So nah beim Kraftwerk Kubel, und doch ein idyllischer Ort.

 

Die St.Gallerinnen und St.Galler schätzen den Gübsensee als Naherholungsgebiet. Und weil er einen guten Fischbestand aufweist, bezeichnen ihn die Fischer als «Herzstück der St.Galler Pachtgewässer». Für die Natur rund um den See setzt sich die 1928 gegründete Gübsen-Gesellschaft ein, die das Gebiet 2012 mit umfassenden Renaturierungsmassnahmen noch attraktiver gemacht hat. Aber auch die SAK engagiert sich für den Naturschutz. Deren Angestellte würden die meisten anfallenden Arbeiten ausführen, berichtete die SAK Hus Zitig 2/97, als in den späten 1990er Jahren eine neue Brutinsel ins Wasser gelassen wurde. Weiherwart Willi Spirig füttere und beobachte das Federvieh, und er sorge «Sommer und Winter für gangbare Wege, indem er frischen Kies einbringt oder den Schnee wegräumt, damit sowohl Spaziergänger als auch Jogger unbehindert ihrem Vergnügen nachgehen können». Die neue Hütte für das Brutfloss, aus unbehandeltem Tannenholz, zimmerte das Kubelteam. Der Gübsensee wird von verschiedenen Entenarten, Blässhühnern sowie saisonal auch Wild- und Schwanengänsen bevölkert.

 

Erstes Speicherkraftwerk der Schweiz

Aber warum gibt es diesen 1.1 Kilometer langen, 200 Meter breiten und 13 Meter tiefen See überhaupt? Um das Wasser der Urnäsch und der Sitter für die Stromproduktion zu nutzen, wurde es im Gübsenmoos gesammelt und gestaut. Das Kraftwerk Kubel, das damals entstand und 1900 erstmals Strom lieferte, war das erste Speicherkraftwerk der Schweiz. Das Wasser der Urnäsch wird bei Hundwil, dasjenige der Sitter bei Haslen gefasst. Der Urnäschstollen ist 4'625 Meter, der Sitterstollen 6'578 Meter lang. Ein Detail am Rande: Eine Bauernfamilie, die ihr Gut im Gübsenmoos hatte, wurde enteignet und mit 28'000 Franken entschädigt, was ihr einen Neustart im US-Staat Wisconsin ermöglichte. 1916/18 wurde ein Druckstollen vom Gübsensee zum Kubelwerk gebaut.

 

Seegrundvermessung mit «Weltpremiere»

Die unterirdischen Zuläufe des Gübsensees schwemmen Tag für Tag feinsandiges Geschiebe an, das sich auf dem Seegrund ablagert. Hat sich eine grosse Menge angesammelt, so können diese Sedimente den Betrieb des Kraftwerks behindern. Um das Mass der Verschlammung festzustellen, wurde der Seegrund 1997 – einmal mehr – vermessen. Dabei wurde auch auf die früheren Vermessungen zurückgeblickt, die jeweils rund zwei Wochen in Anspruch nahmen: «An den Längsufern des Sees wurden in Abständen von zehn Metern Pflöcke eingeschlagen. Von jedem Pflock wurde zum gegenüberliegenden Pflock ein Draht sehr straff gespannt. An diesem Draht wurde alle zwei Meter eine Markierung angebracht. Von einem Boot aus wurde bei jeder Markierung das mit einem Gewicht beschwerte Ende eines Messbandes auf die Schlammschicht herabgelassen. Die Tiefe konnte dann am Messband abgelesen und für den jeweiligen Messpunkt fein säuberlich in eine Tabelle eingetragen werden». Insgesamt ergaben sich so etwa zweitausend Messpunkte.

Zur Vorbereitung der Messung von 1997, die mit moderneren Mitteln erfolgte, fand im August 1996 am Gübsensee eine Weltpremiere statt, bei welcher die interne Vermessungsequipe der SAK, Echolot-Spezialisten und ein Bootsführer vom Ingenieurbüro Straub in Chur sowie von der Firma Leica (Vermessungsinstrumente) unter anderem der Programmierer einer speziell entwickelten Software anwesend waren. Bei diesem Test galt es, die mit einem Echolot gemessenen Daten vom Boot über UKW ans Land zu funken und mit den Positionsdaten des Bootes zu verknüpfen. Letztere wurden erfasst, indem zwei Elektromotoren und eine Video-Optik, die im Messinstrument eingebaut waren, die Ziel-Optik ständig auf einen Reflektionsspiegel ausrichteten, der auf dem Boot montiert war. Der Reflektionsspiegel konnte mit einer Fixstation am Ufer permanent verfolgt werden. Notwendig wurde das komplizierte Verfahren, weil sich der Gübsensee wegen seiner dichten Bewaldung bis nahe ans Ufer sehr schlecht für eine Vermessung mit GPS eignete. Es funktionierte, so dass die Hauptmessung wie geplant vorgenommen werden konnte. Diese dauerte einen einzigen Tag, und dabei wurden insgesamt 8'573 Punkte aufgenommen.

Nach dem 100-Jahr-Jubiläum des Kubelwerks richtete die SAK am Gübsensee, der seit 1989 mit einer Station der Südostbahn (früher Bodensee-Toggenburg-Bahn) erschlossen ist, einen Informationspfad mit allem Wissenswerten über Kraftwerk und See ein. Das Kraftwerk Kubel kommt bei einer installierten Leistung von 13,45 MW und einer Fallhöhe von 92 Metern auf eine Jahresproduktion von 29,8 Mio. kWh. Insgesamt produzierten die Wasserkraftwerke der SAK 2012/13 rund 50 Mio. kWh.

 

Zahlen & Fakten

Direktor Theo Wipf
Direktion Alfred Bürkler, Adolf Loser
Verwaltungsrats Präsident Hans Ulrich Stöckling
Verwaltungsrat Hans Höhener, Hermann Fässler (ab Februar 1997), Titus Giger, Hans-Peter Härtsch, Beat Jud, Dr. Walter Kägi, Marianne Kleiner (ab Februar 1997), Dr. Arthur Loepfe, Alex Oberholzer, Hans Rohrer, Alfred Stricker (bis Februar 1997), Ueli Widmer, Franz Würth (bis Februar 1997)

Anzahl Mitarbeitende
283

Fläche Versorgungsgebiet
2’325 km2

Einwohner
400’000

Energie
2’477 Mio. kWh

Produktion
7 Kraftwerke

Netz
39 Unterwerke
898 Trafostationen
ca. 3’800 km Stromnetz