Übernahme von Wiederverkäufern: Bad Ragaz sucht Anschluss

Mit einem Unterwerk war die SAK schon lange in Bad Ragaz präsent.
Auch die Technik war damals auf dem neusten Stand.
Das Unterwerk Bad Ragaz 2014.

 

Rund 80 lokale Energieversorgungsunternehmen (EVU) bezogen im Geschäftsjahr 2012/13 ihren Strom von der SAK. Ihre Zahl ging im Lauf der Jahre zurück: 1988/89 waren es noch beinahe 100 gewesen. Vereinzelte EVU wurden von der SAK übernommen. So zum Beispiel das Elektrizitätswerk Bad Ragaz (EWR), das nach der Übernahme mit der SAK fusioniert wurde.

 

Gründerfamilien ohne Nachfolge

Das EWR existierte seit 1892. Damals gründete Martin Bächtold ein privates Unternehmen, dem er den Namen AG für elektrische Installationen gab. Gut 110 Jahre später fehlte in der Gründerfamilie Bächtold-Rau, zu welcher auch der frühere Weltwoche-Chefredaktor Rudolf Bächtold gehörte, die Nachfolge, weshalb sie ihr Aktienpaket von noch 39% der SAK andiente. Zusammen mit den 16%, welche die SAK bereits besass, wurde sie damit Anfang 2005 Mehrheitsaktionärin des EWR. Weitere Aktionäre waren die Gemeinde Bad Ragaz mit 18%, die Axpo Holding mit 6%, die Gemeinde Pfäfers mit 5% sowie rund 180 Kleinaktionäre mit 16%.

Der Erwerb des Aktienpakets wurde damit begründet, dass sonst die Stabilität des Aktionariats des EWR nicht mehr gewährleistet wäre. Das EWR machte einen Umsatz von 47 GWh, wovon rund 65% auf Haushalte und Gewerbe entfielen. Das Versorgungsgebiet umfasste die Politischen Gemeinden Bad Ragaz und Pfäfers, war im Süden begrenzt durch die Kantonsgrenze und schloss im Norden an das Gebiet Sargans an, das von der SAK direkt versorgt wurde. «In einer ersten Übergangsphase (ca. 5 Jahre) wird das EW Bad Ragaz unverändert weitergeführt, der jetzige Verwaltungsratspräsident bleibt im Amt, neu werden die SAK direkt Einsitz in den Verwaltungsrat nehmen», hiess es damals im Verwaltungsrat, wobei Veränderungen bereits angedacht waren. Die Gemeinden wollte man als Aktionärinnen behalten, während anfragenden Kleinaktionären ein Kaufangebot gemacht werden sollte. «Die vorgeschlagene Aktion macht aus unserer Sicht für alle Parteien Sinn und bringt den involvierten Unternehmen und deren Kunden grosse strategische Vorteile», wurde festgestellt, bevor der Verwaltungsrat den Kredit für den Kauf der Aktien der Familie Bächtold bewilligte. Und es sollte keine isolierte Aktion bleiben. Die Geschäftsleitung erhielt den Auftrag, zu prüfen, «welche Netze strategisch zu den SAK passen würden und welche nicht». Daraus sei eine Liste mit möglichen Kandidaten zu erstellen. Man betrachtete die Übernahme als Pilotprojekt, das als Vorbild für weitere ähnliche Transaktionen dienen könne.

 

Auch die Gemeinde verkauft

Die Sache entwickelte sich dann schneller als geplant. Bereits im Geschäftsbericht 2006/07 konnte festgestellt werden, dass die SAK auch die restlichen 45% des EWR erworben habe. Nachdem die Gemeinde Bad Ragaz ihre Aktien der SAK angeboten hatte, unterbreitete die SAK auch den restlichen Aktionären ein Angebot, wobei die grösseren Aktionäre einen so genannten Paketzuschlag, also einen besseren Preis als die Kleinaktionäre erhielten. Das Netz und der Netzbetrieb des EWR wurden in die SAK integriert, wo sie mit dem Netz Sargans zusammengelegt wurden. Die Regionalvertretung Sargans wurde aufgehoben und mit Bad Ragaz in der neuen Regionalvertretung Sarganserland vereinigt. Für die Kunden in Bad Ragaz hatte die ganze Transaktion eine Senkung der Strompreise zur Folge. Der Verkaufserlös für das Netz floss als Sonderdividende an die bisherigen Aktionäre des EWR und damit auch an die SAK.

Klar war von Anfang an, dass sich die SAK vom ebenfalls übernommenen Installations- und Verkaufsgeschäft trennen wollte. «Die SAK beabsichtigen auch in Zukunft nicht im Bereich Installationen tätig zu sein», erklärte dazu Verwaltungsratspräsident Hans Ulrich Stöckling. Kaufinteressenten waren vorhanden. Beim Verkauf sollte darauf geachtet werden, dass die Arbeitsplätze in der Region erhalten blieben. Auf Anfang 2008 wurde auch dieser Schritt vollzogen: Das zuvor in die neu gegründete ewr elektro ag ausgegliederte Installationsgeschäft wurde an die elektro tschirky ag bzw. die ebenfalls neu gegründete Tschirky Holding mit Sitz in Malans verkauft.

 

Nur einer wollte nicht

Nur einer, ein Kleinaktionär, stellte sich quer: «Ein Aktionär des EWR hat den SAK seine 10 Aktien nicht verkauft», hiess es im Februar 2008 im Verwaltungsrat, als es um die Fusion des EWR mit der SAK ging. Eine nochmalige Bewertung durch eine Treuhandgesellschaft ergab aber, dass das Angebot der SAK an die Aktionäre «gerechtfertigt und fair» war.

Zahlen & Fakten

Vorsitzender d. Geschäftsleitung Rolf Domenig
Geschäftsleitung Lukas Mäder, Heinz Reichen, Ueli Risch, Robert Zingg (bis September 2005), Georges Marquart (ab Oktober 2005)
Verwaltungsrats Präsident Hans Ulrich Stöckling
Verwaltungsrat Jakob Brunnschweiler, Hermann Fässler, Köbi Frei, Willi Haag, Ernst Hanselmann, Hans-Peter Härtsch, Beat Jud, Hans Sutter

Anzahl Mitarbeitende
250

Fläche Versorgungsgebiet
2’325 km2

Einwohner
400’000

Energie
2’700 Mio. kWh

Produktion
7 Kraftwerke

Netz
37 Unterwerke
930 Trafostationen
ca. 4’100 km Stromnetz