Zürcher Stimmvolk beerdigt Hexagon

Gemäss dem Projekt Hexagon hätten alle an den NOK beteiligten Kantonswerke und die NOK selbst in der neu gegründeten Axpo aufgehen sollen. Hier der Axpo Hauptsitz in Baden.
Ende August 2003 meldeten die Medien – hier der Bericht in der «Neuen Zürcher Zeitung» – das definitive Ende von Hexagon.
Ihre zweite Vorlage zur Verselbständigung der EKZ zog die Zürcher Regierung zurück. (Bild ©EKZ)

 

«Ein wichtiger Meilenstein für das Zustandekommen der Axpo ist die Volksabstimmung vom 10. Juni 2001 im Kanton Zürich», schrieb Regierungsrat Jakob Brunnschweiler, Energiedirektor des Kantons Appenzell Ausserrhoden und Verwaltungsrat der SAK, im Editorial der SAK Hus Zitig 2/2001. Und genau diese Voraussetzung wurde nicht erfüllt. Die Zürcher Stimmberechtigten lehnten es mit 51,4% Nein-Stimmen ab, die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft zu verselbständigen und danach in die Axpo Holding einzubringen. «EKZ, Axpo und der Kanton Zürich wollen nun andere Wege suchen, um dem liberalisierten Strommarkt zu begegnen», schrieb die Neue Zürcher Zeitung in ihrem Abstimmungsbericht.

Die bevorstehende Strommarktöffnung war der Anlass für die Absicht, die Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK) und die an ihnen beteiligten Kantonswerke in einer neuen Gesellschaft, der Axpo Holding, zusammenzufassen. Weil sechs Gesellschaften beteiligt waren, lief das Projekt zur Integration unter dem Namen Hexagon, und als erstes wurde für Handel und Verkauf 1999 eine separate Axpo-Gesellschaft gebildet. «Mit der Zusammenlegung aller Handels- und Verkaufsaktivitäten werden Marketingkompetenzen und Marktnähe im Detail- und Verbundmarkt aufgebaut, um die Kunden noch effizienter und kostengünstiger zu betreuen», hiess es dazu im Geschäftsbericht 1999/2000.

Die SAK Hus Zitig 1/2000 berichtete euphorisch über den Besuch des Musicals «Space Dream» nach einer Axpo-Vertriebspartnertagung: «Unterlegt von sphärischen Klängen beschrieb eine Stimme aus dem All die Sternen- und Planeten-Konstellation unseres neuen Unternehmens. Der Übergang zum eigentlichen Musical war fliessend, und eine faszinierende Laser-, Klang- und Farbenschau begann. Immer wieder frappierte die Übereinstimmung der Space-Dream-Handlung mit der Realität der neuen Handels- und Vertriebsgesellschaft Axpo; ganz im Sinn ‹nur zusammen sind wir stark!›». Im März 2001 folgte die Gründung der Holding, ein paar Monate später diejenige der Axpo IT. Die SAK zog mit, doch betonte man in St.Gallen stets, die Arbeitsplätze dürften nicht einfach in Zürich und Baden, wo sich der Sitz der NOK befand, konzentriert werden.

 

Energiedirektoren zunächst unbeirrt

«Als besondere Stärke darf die Axpo-Gruppe für sich in Anspruch nehmen, einen leistungsfähigen Produktionspark zu betreiben, der eine langfristige Verfügbarkeit an elektrischer Energie innerhalb des Axpo-Versorgungsgebietes sicherstellt», schrieb SAK Direktor Theo Wipf in der SAK Hus Zitig Ende 2001. Der Aufbau der Axpo-Gruppe sei durch den negativen Volksentscheid im Kanton Zürich zwar verzögert worden. «Die Energiedirektoren der NOK-Kantone wollen dennoch an der ursprünglichen Zielsetzung zur Bildung einer integrierten Strategischen Holding festhalten und einen Stromkonzern mit den Tochtergesellschaften für die Produktion, Netz sowie Handel und Vertrieb der elektrischen Energie aufbauen.» Dazu brauche es aber eine zweite Volksabstimmung im Kanton Zürich. «Die Zwischenzeit nutzen die Kantonswerke, ihre seit Jahrzehnten bestehende Kooperation auszubauen und zu vertiefen.» 2002 übernahm die Axpo die Innerschweizer Stromversorgerin CKW und die Stromhändlerin EGL.

«Die SAK hat keine Veranlassung, vom Kurs der immer engeren Zusammenarbeit mit der Axpo abzuweichen», hielt SAK Verwaltungsratspräsident Hans Ulrich Stöckling auch nach dem Nein zum Elektrizitätsmarktgesetz noch fest. Anfang 2002 hatten die Kantonswerke und die NOK sich vertraglich auf eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Informatik, Kundenbetreuung, gemeinsame Richtlinien für den Netzzugang, gemeinsame Netztechnik und Harmonisierung der Anstellungsbedingungen für das Personal geeinigt. «Die SAK waren schon immer das, was man heute eine Netzgesellschaft nennt», wurde Stöckling im St.Galler Tagblatt weiter zitiert.

 

Zweite Abstimmung kam nicht

Doch die Zürcher Regierung zog die angekündigte zweite Vorlage zur Verselbständigung der EKZ im Mai 2003 sang- und klanglos zurück. Das Integrationsprojekt Hexagon wurde daraufhin gestoppt und damit das Vorhaben einer gemeinsamen Verteilnetzgesellschaft unter dem Dach der Axpo Holding abgebrochen. Bis auf weiteres wollten sich die Eigentümerkantone der Axpo darauf beschränken, allfällige sich ergebende Kooperationschancen zu nutzen, wie die Neue Zürcher Zeitung rapportierte. Die Verträge mit der Axpo IT hat die SAK aufgekündigt.

Zahlen & Fakten

Vorsitzender d. Geschäftsleitung Rolf Domenig
Geschäftsleitung Adolf Loser (bis Februar 2003), Lukas Mäder (ab März 2003), Heinz Reichen, Ueli Risch, Robert, Zingg
Verwaltungsrats Präsident Hans Ulrich Stöckling
Verwaltungsrat Jakob Brunnschweiler, Hermann Fässler, Willi Haag, Ernst Hanselmann, Hans-Peter Härtsch, Beat Jud, Marianne Kleiner, Hans Sutter

Anzahl Mitarbeitende
244

Fläche Versorgungsgebiet
2’325 km2

Einwohner
400’000

Energie
2'628 Mio. kWh

Produktion
7 Kraftwerke

Netz
37 Unterwerke
929 Trafostationen
ca. 4’000 km Stromnetz